Der wahre Grund, warum dein Hund sein reaktives oder ängstliches Verhalten nicht ablegen kann

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Wenn dein Hund sein reaktives oder unsicheres Verhalten nicht ablegen kann

Viele Hundehalter kennen dieses Phänomen. Sie tun alles dafür, dass sie ihren Hund eine gute Erziehung zukommen lassen, aber ihr Hund hat einen anderen Plan. Möchte man meinen. Der Hund scheint in einer Art Tunnel gefangen zu sein, ist kaum bis gar nicht ansprechbar und flippt bei allem aus, was sich regt.

Dabei zeigt der eine Hund extrem reaktives Verhalten, während der andere Hund sich vor Angst fast in „die Hose“ macht.

Besonders bei Hunden aus dem Tierheim oder aus dem Ausland zeigen sich diese Phänomene. Aber auch bei sehr sensiblen Hunderassen ist ein stark reaktives oder ängstliches Verhalten häufig zu beobachten, das sich durch Training nicht abstellen lässt.

In diesem Beitrag gehe ich mit dir diesem Phänomen auf den Grund und zeige dir die wahren Ursachen von dem Verhalten.

Die Reiz-Emotions-Reaktionskette in der Erziehung reaktiver oder ängstlicher Hunde verstehen

Dafür möchte ich mit dir tief in die Reiz-Emotions-Reaktionskette einsteigen.

Die Reiz-Reaktions-Kette kennst du vielleicht noch aus dem Biologieunterrricht. Sie beschreibt die körperliche Reaktion auf einen Umweltreiz mit der dazugehörigen Handlung, die im Prozess ausgelöst wird.

In meinen Betrachtungen nehme ich bewusst die Emotion mit hinein, da sie ein wichtiger Schlüssel in der körpersprachlichen Kommunikation zwischen Mensch und Hund ist und auch das Embodiment des Menschen klarer berücksichtigt. (Embodiment beschreibt die Verkörperung deiner Emotionen)

Lass uns das Ganze näher beleuchten. Was ich hier beschreibe, ist eine Beobachtung aus 15 Jahren intensiver Arbeit mit traumatisierten Menschen und ihren bzw. meinen Tieren. Ich betrachte die Kette nicht aus rein biologisch/ psychologischer Sicht, sondern ich betrachte sie aus dem Blickwinkel, wie sie in der Welt der Tiere erfasst wird. Aber auch, was in deinem Körper und deinem Nervensystem passiert und was sich dabei abspielt:

  1. Der Reiz

Du nimmst einen Reiz wahr. Sagen wir, es kommt ein anderes Mensch Hund Team auf euch zu. Dieser Reiz löst sofort eine Emotion in dir aus.

  1. Die Emotion

Die Emotion, die augenblicklich in dir aufsteigt, ist vermutlich ein Gefühl der Angst. Aus Erfahrung weißt du, dass dein Hund ausflippt. Die Angst sorgt wiederum dafür, dass dein Körper in den Überlebensmodus umschaltet.

  1. Überlebensmodus

Der Überlebensmodus versetzt deinen Körper in die Alarmbereitschaft. Dein Stresspegel steigt, deine Atmung wird schneller und flacher, dein Puls steigt, deine Muskulatur spannt sich an und es wird in dir der Flucht- und Abwehrmechanismus aktiviert.

  1. Flucht und Abwehrmechanismus

Jetzt bist du für alles bereit. Du bist bereit, sofort zu flüchten oder um dein Leben zu kämpfen, wenn es sein muss. Damit du aber die richtige Entscheidung triffst, wird in dir der Funktionsmodus aktiviert.

  1. Funktionsmodus

Der Funktionsmodus sorgt dafür, dass du entscheidungsfähig bleibst und die richtige Wahl triffst. Dabei werden deine Emotionen gedämpft, denn reine Emotionen sorgen eher dafür, dass wir uns verrennen und keine Entscheidung treffen können.

Durch den Funktionsmodus gelingt es dir, eine kritische Situation logisch zu händeln und für dich die richtige Wahl zu treffen. Manchen gehen dann bewusst in den Angriff (Abwehr) und manche entscheiden sich, eine Situation eher zu vermeiden (Flucht).

In beiden Fällen ist die Körpersprache hart und unsicher. Sie signalisiert dem Hund, dass wir die Situation nicht souverän händeln können und er trifft seine Entscheidung, wie er der Situation begegnet. Entweder mit Abwehr (reaktives Verhalten) oder mit Flucht (ängstliches Verhalten). In beiden Fällen scheint der Hund in einem Tunnel zu sein, in dem wir ihn kaum erreichen können.

  1. Sicherheitsmodus

Normalerweise schaltet der Körper nach dem kritischen Reiz wieder zurück in den Sicherheitsmodus. Er trifft ein, wenn die Gefahr vorbei ist und wir uns wieder sicher fühlen. Körpersprachlich entspannen wir unsere Muskeln und Gelenke, unsere Haltung wird wieder aufrechter und insgesamt wird der Organismus ruhig. 

Wenn Hunde in diesen Modus wechseln, geschieht dies meist durch ein Abschütteln. Dann sind sie plötzlich wieder da. Sie sind aus dem Tunnel raus und nehmen uns wahr.

Was passiert, wenn wir durch unseren Alltag oder durch unsere Lebensgeschichte, aus dem Überlebensmodus & Funktionsmodus gar nicht zurück finden?

Das ist das eigentliche Problem, warum ein Hund sein reaktives oder ängstliches Verhalten nicht aufgeben kann. Unsere alltägliche Körpersprache verrät ihm, dass wir uns in Gefahr glauben. Entsprechend versucht er zu erfassen, woher die Gefahr kommt. Denn als loyaler Hund ist er bestrebt, alle Gefahr von seinem Menschen fernzuhalten. Dann bleibt sein reaktives Verhalten bestehen. 

Eine Besonderheit stellen hier die Menschen, die unter Traumafolgestörungen leiden, dar. Oft sind sie sehr verunsichert und stehen durch ihre Erfahrungen innerlich stark unter Druck. Dieser Druck löst eine Daueranspannung in ihrem Körper aus, worauf der Hund augenblicklich reagiert. 

Wenn die menschlichen Emotionen das Verhalten des Hundes bestimmen

An dieser Stelle möchte ich dir eine Begebenheit erzählen, die ich in der Arbeit mit einer meiner Kundinnen erfahren durfte. 

Als sie zu mir kam, war ihr Hund so reaktiv, dass ihr sämtliche Hundetrainer rieten, dass sie ihren Hund abgeben sollte. Sie sahen keine Chance darin, dass der Hund jemals ohne Maulkorb durch den Alltag gehen kann. Ihr Hund schrie alles an, was ihnen begegnete und legte sich zu gern mit anderen Hunden beißend an. Sie hatte einfach keine Kontrolle über ihren Hund und wusste nicht mehr, wie sie an ihn herankommen konnte.

Was die Hundetrainer nicht wussten – sie selbst litt unter den Begleiterscheinungen einer traumatischen Kindheit. Alles, was sie mit ihrem Hund an Maßnahmen umsetzen sollte, aktivierte in ihr Flashback Reaktionen, die sie in höchste Alarmbereitschaft versetzen. Sie wurde wütend auf sich, auf ihren Hund, auf die Trainer und konnte diese Reaktionen wenig steuern. 

Es war mehr als logisch, dass ihr Hund diese Wut für sie ausdrückte und auslebte. In seiner Welt war sein Frauchen in akuter Gefahr, die er unter allen Umständen abwehren musste.

Zusätzlich kamen dann noch die tiefen Selbstzweifel und der tiefe Selbsthass, weshalb sie immer im Kampfmodus war, den sie nach außen aber nicht auslebte.

Im Ergebnis wurde ihr Hund ein hochgradig reaktiver Hund, der durch die klassischen Trainingsansätze nur noch schärfer wurde, als dass er sich fallen lassen konnte. 

Wenn der Körper im Funktionsmodus stecken bleibt

Meine Kundin hing in Dauerschleife in der permanenten Abwehr- und Fluchtbereitschaft fest, aus der sie nicht von alleine raus kam. Ihre Körpersprache und Stimmlage war äußerst fest und sie konnte sich nur noch darauf konzentrieren, dass jeder Tag im Drama endet.

Und jetzt sage ich dir, worauf ich mich in der Zusammenarbeit mit ihr konzentriert habe. Ihr Hund war nur ein Spiegelbild ihrer eigenen mentalen Notlage, die aus der Traumafolge heraus entstanden ist. Mein Fokus ging darauf, dass ich sie langsam an den Zustand des Sicherheitsmodus geführt habe.

Sie lernte, ihre Befürchtungen aufzugeben und ins Vertrauen zu kommen. Weiterhin lernte sie, dass die Reaktivität ihres Hundes ein tiefe Loyalität zu ihr war, denn ihr Hund wollte sie einfach nur beschützen. 

Sie lernte, das positive an ihrem Hund zu entdecken und in sich. 

So entspannte sich ihr Nervensystem, sie wurde weicher in ihrer Körpersprache und sie lernte, auf neue Reize emotional unbeeindruckt zu reagieren. Wir stoppten einfach ihre Reiz-Emotions-Reaktions-Kette, die durch ihre Traumafolgen im Dauerbetrieb war.

Weshalb schreibe ich das so ausführlich auf? Weil es mir wichtig ist, dass du ein Verständnis für dich und deinen Hund entwickelst. Nicht immer ist ein reaktives oder ängstliches Verhalten nur im Hund zu korrigieren. Manchmal ist es viel wichtiger, dass du als Hundehalter*in im Gefühl der Sicherheit ankommst, damit dein Hund sicher werden kann.

Wenn du mehr zur Reiz-Emotions-Reaktions-Kette erfahren möchtest, lade ich dich ein, mein Trainingsprogramm „Endlich Ruhe im Hund“ für dich und deinen Hund zu buchen. Es hilft dir ein tiefes Verständnis für deinen Hund zu bekommen und deine Reiz-Emotions-Reaktions-Kette zu unterbrechen. Denn damit unterbrichst du das reaktive oder ängstliche Verhalten deines Hundes.

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